.Landschaft und Geografie
Die Extremadura ist als Reiseregion bei deutschen Urlaubern bedauerlicherweise kaum bekannt. Eine der Ursachen für diesen Umstand dürfte die Tatsache sein dass sie keine Küsten mit kilometerlangen Sandstränden zu bieten hat, die für vielen Menschen der Inbegriff eines Spanienurlaubs sind. Trotz allem ist die Extremadura vor allem für Naturliebhaber äußerst reizvoll, weil sie voller Kontraste ist. Zwischen 130 und etwa 2.400 Metern erhebt sich die Landschaft über den Meeresspiegel, es gibt weite Ebenen, viele vom Menschen nahezu vollständig unberührte Flussläufe, zauberhafte Täler und schroffe Gebirge. Die jährlichen Niederschlagsmengen variieren in den einzelnen Bereichen der Extremadura zwischen 400 und 800 Millimeter.
Aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen sowie der verschiedenen Niederschlagsverhältnisse reicht die Palette der Landschaftsformen von Wiesen über lichte Wälder bis hin zu felsigen Gebirgen. Zwei große Flüsse winden sich durch die Extremadura: der Tajo und der Guadiana. Daneben gibt es eine ganze Reihe kleinerer Flüsse. Vielerorts wurden zur besseren Bewässerung der Umgebung Dämme und Stauseen errichtet, mit deren Hilfe die vor allem die südliche Extremadura oft heimsuchenden Dürren gemildert werden sollen. Bergig ist die nördliche Extremadura, bis dorthin erstrecken sich die westlichen Ausläufer des Zentralsystems der iberischen Halbinsel. Deshalb befinden sich innerhalb der Grenzen der Extremadura mehrere Gebirgszüge und Täler, davon auch einige im östlichen Teil. Die Gebirge der Extremadura knüpfen an die Sierra de Gredos an, die bis nach Kastilien reicht. Mit seiner Höhe von 2.425 Metern überragt der Berg Calvitero die Umgebung. Er befindet sich an der Grenze zur Nachbarprovinz Salamanca. Vor allem in den Tälern ist reichlich Wasser vorhanden, weshalb dort Landwirtschaft betrieben wird.
Trockene, weitläufige flache Areale erstrecken sich südlich des Flusses Tajo. Auch diese Gegend wird landwirtschaftlich genutzt, dort wird vor allem Wein angebaut. Eine typische Landschaftsform der Ebenen sind die alten Steineichenhaine, die im Spanischen als Dehesas bezeichnet werden. Sie sind der Lebensraum des schwarzen iberischen Schweins (cerdo ibérico), auf dessen Speisezettel überwiegend Eicheln stehen. Die Schweine werden bewusst in diesen lichten Wäldern gehalten, weil sie die Lieferanten für den begehrten und teuren luftgetrockneten Schinken (jamón ibérico) sind, siehe Kapitel über die kulinarischen Genüsse der Region. Der Boden der Ebenen ist mit dünnem Gras bedeckt. Vor allem auf kleinen Hügeln gedeiht eine Pflanzengemeinschaft bestehend aus Heide, Myrte, Erdbeerbäumen und vereinzelten Korkeichen. Dieses Buschland wird als Matorral bezeichnet.
Llanos de Cáceres, Magasca und Trujillo
Lage und Anfahrt
Südlich des Flusses Río Tajo erstreckt sich eine weitausgedehnte, Rumpfebene, durch welche die Flüsse Almonte und Tamuja flieβen und eine leicht hügelige Landschaft bilden, die hauptsächlich als Viehweide und für den Trockenfeldbau für Getreide genutzt wird. Die Route verläuft entlang der Ortschaften Cáceres, Santa Marta de Magasca und Trujillo. Die leichteste Anfahrt erfolgt über die Autobahn Autovía A-58 (die alte N-521), die Trujillo und Cáceres verbindet. Der wichtigste Zugangsweg nach Cáceres erfolgt über die Autobahn Autovía A-66, sowohl ab Mérida als auch ab Plasencia. Im Falle von Trujillo folgen wir der E-90, um diese Ortschaft ab Mérida oder Navalmoral de la Mata zu erreichen.
Für den Fall, dass unser Ausgangspunkt der Nationalpark Parque Nacional Monfragüe ist, verfügen wir über verschiedene Alternativen, und folgen den weniger befahrenen und landschaftlich außerordentlich schönen Landstraßen. So finden wir an der Ausfahrt von Torrejón el Rubio eine Kreuzung vor, von der aus wir uns in Richtung Trujillo begeben können, und zwar indem wir der EX-208 oder nach Cáceres über die EX-390 folgen – der Besucher wird keinesfalls enttäuscht sein.

Routenbeschreibung
Der Ausgangspunkt der Route ist an der Ausfahrt der Autobahn A-58 in Richtung Santa Marta de Magasca über die CC-99 gelegen. Wenn wir von Cáceres aus losfahren, finden wir diese Ausfahrt sieben Kilometer nach der Abzweigung nach Sierra de Fuentes (nach rechts) vor, und falls es in Trujillo losgeht, ist die Ausfahrt zehn Kilometer dahinter gelegen, nachdem die Autobahn den FlussRío Gibranzos überquert. Wenn wir uns einmal auf der CC-99 befinden, geht es 14 km weiter auf dieser Landstraße bis zur Ortschaft Santa Marta de Magasca, nachdem wir das eingeschlossene Flussbett des Río Tamuja überquert haben. Genau am Ortseingang und hinter der Bushaltestelle begeben wir uns auf die Landstraße, die links abgeht und die das Dorf umfährt. Zuerst führt die Strecke durch einen Dehesa-Bereich und anschließend führt sie bis ans Ufer des Flusses Río Magasca hinab, um anschließend erneut ein ausgedehntes Gebiet aus Weiden und Anbauten zu durchqueren. In einer Entfernung von acht Kilometern von Santa Marta de Magasca erreichen wir eine Kreuzung, an der wir bis nach Monroy (22,2 km entfernt) oder nach Trujillo (23,8 km entfernt) gelangen. Wenn wir uns für die erste der beiden Varianten entscheiden, erreichen wir das spektakuläre Ufer des Flusses Río Almonte (in einer Entfernung von 18 km ab der Kreuzung), nachdem wir vorher durch ein Gebiet aus Weiden und der einen oder anderen offenen Dehesa gekommen sind. Wenn wir in Richtung Trujillo weiterfahren, finden wir in einer Entfernung von 18 km die Kreuzung mit der EX-208 vor, die uns direkt in diese Ortschaft führt. Die Route endet in der Altstadt von Trujillo, in deren Straßen auf einem Streifzug wir weitere interessante Vögel beobachten werden.
Ornithologische Bedeutung

Die Route führt durch eines der ornithologisch interessantesten Gebiete der Region, und es ist kein Zufall, dass sie durch vier als "Zona de Especial Protección para las Aves“ (ZEPA, Besondere Vogelschutzzone) bezeichnete Gegenden führt: "Llanos de Cáceres und Sierra de Fuentes”, "Magasca”, "Riveros del Almonte” und "Colonias de Cernícalo primilla de Trujillo”. Wenn wir die gesamte Strecke zurücklegen, können wir viele verschiedene Vogelarten in den charakteristischsten Lebensräumen der Gegend beobachten, wobei die natürlichen Weidegebiete und die Getreidetrockenfeldbauten deutlich vorherrschen, wobei sie sie sich mit Dehesa-ähnlichen Steineichenbereichen und Dickicht (hauptsächlich Besenginster und Schopflavendel) abwechseln. Die größten landschaftlichen Kontraste ergeben sich an den Uferbereichen, wobei die ebenen und trockenen Gebiete plötzlich in üppig bewachsene Flussbetten übergehen, deren zerklüftete Seitenhänge von einer dichten Vegetation aus Steineichen und Wilden Ölbäumen bedeckt sind. In den Weidegebieten findet man die Vogelwelt der Steppen komplett wieder, wobei aufgrund ihrer großen Anzahl besonders Populationen von Kalander-, Theklalerchen, Grauammern und Weidensperlingen hervorzuheben seien, die uns auf unserer ganzen Wegstrecke begleiten, neben anderen Vogelarten wie beispielsweise Steinkäuzen, Häherkuckucken, Wiedehopfen, Schwarzkehlchen, Cistensängern, Einfarbstaren, Südlichen Raubwürgern und Bienenfressern. Wenn wir mit dem Auto anhalten und in Ruhe umherschauen , können wir auch andere Vögel sehen, die nicht so häufig vorkommen, wie beispielsweise die Kurzzehenlerche oder den Mittelmeer-Steinschmätzer.
Das gesamte Jahr über können wir Großtrappen beobachten, allerdings wird uns dies im Frühling leichter fallen, wenn ihr Federkleid auffallender ist. Dafür wird empfohlen, sich in hochgelegene Bereiche mit einem guten Blickfeld zu begeben und mit dem Fernglas oder dem Fernrohr die Gegend abzusuchen, um die Individuen in diesen so ausgedehnten Gebieten zu finden. Zwergtrappen kommen auch häufig vor, auch wenn sie in Zonen, in denen das Weidegras sehr hoch steht oder die Saat hochgewachsen ist, möglicherweise nicht auffallen. Ihr beständiger Ruf während der Paarungszeit weist in der Regel auf ihre Anwesenheit hin, wie auch der Wohlklang ihres Fluges, der sich sogar recht spektakulär ausnimmt, wenn es sich dabei um einen Schwarm mit zahlreichen Individuen handelt. Um auch andere Vogelarten beobachten zu können, die typisch für Weidebereiche sind, wie beispielsweise Spieß-, Sandflughühner und Triele, wird empfohlen, sich an einem Ort zu platzieren oder zu laufen, zum Beispiel indem man den Viehtriebwegen folgt, die diese Route kreuzen. Ebenfalls häufig kommen Blauracken und Rötelfalken vor, wobei es einige Nistkästen gibt, die auf den Strommasten von diesen Vogelarten besetzt werden. Auf verschiedenen Abschnitten dieser Route lassen sich Kolonien von Wiesenweihen nieder, die in den Feldern neben der Landstraße brüten. Ab Mai, wenn die ersten Küken schlüpfen und mit der Fütterung begonnen wird, sind diese Vögel sehr aktiv. Gegen Ende des Frühlings und zu Sommerbeginn befinden sich die Populationen der Wanderheuschrecke und anderer Springschrecken auf ihrem Höhepunkt, und die Vögel nutzen diese Ressource intensiv für ihre Ernährung. Auf den Strommasten und –kabeln sowie auf den Drahtzäunen in der Nähe der Landstraßen können wir oftmals Blauracken, Falken, Schwarzmilane und andere Vögel sitzen sehen, die die Tausenden von Wirbellosen fangen, die den Asphalt überqueren und auf dem sie leichter sichtbar als auf den Wiesen sind. Sie bilden auch die Nahrungsgrundlage für Weißstörche und Kuhreiher, Vogelarten, die unter Umständen auch bedeutende Kolonien in den nur wenig vorhandenen Bäumen ausbilden können.

Uns sollte die Anwesenheit von Mönchs-, Gänsegeiern, Raben oder Schmutzgeiern nicht überraschen, denn der bedeutende Viehbestand, der sich von diesen Weiden ernährt, stellt die Hauptnahrungsquelle für diese aasfressenden Vogelarten dar. Die bedeutenden Mönchsgeierkolonien, die in der ZEPA (Zona de Especial Protección para las Aves, Besondere Vogelschutzzone) "Sierra de San Pedro” brüten, besitzen hier ihren wichtigsten Futterbereich. Desgleichen verlegen die großen Greifvögel wie der Iberische Kaiseradler, der Stein- oder auch der Habichtsadler in dieses Gelände ihr Jagdrevier, angezogen von den vielen Beutetieren (Kaninchen, Hasen oder Rebhühnern) wie auch von den vielen verstreuten Jungtieren. Während des Vogelzuges nach der Paarungszeit seien die vielen Steinschmätzer, Mittelmeer-Steinschmätzer, Trauerschnäpper, Brachpieper, Braunkehlchen und Schafstelzen hervorzuheben , die wir häufig vom Auto aus beobachten können.
Im Winter sind Arten wie Goldregenpfeifer, Kiebitze, Kornweihen, Wiesenpieper, Feldlerchen, Bachstelzenund sogar Lach- und Heringsmöwen häufig anzutreffen, die die zahlreichen Viehtränken aufsuchen. Die großen Flächen mit Disteln und anderen Pflanzen mit den für Vögel attraktiven Samen locken große Schwärme von Finken an, hauptsächlich Stieglitze, Bluthänflinge, Grünlinge und Girlitze.

In den Bereichen der Dehesa und Buschvegetation , auf die wir treffen, bevor wir die Flüsse Tamuja und Magasca erreichen, ändert sich die Vogelwelt beträchtlich, wobei in diesem Lebensraum häufig Arten wie Mäusebussarde, Zwergadler, Turteltauben, Blauelstern, Amseln, Misteldrosseln, Weißbart-, Samtkopf-, Provencegrasmücken, Blau-, Kohlmeisen etc. vorkommen. An den Hängen, die zum Ufer hin abfallen, ist die Vegetation in der Regel viel dichter und waldiger, beinahe undurchdringlich. Die Sicherheit dieser dichten Decke wird von einigen Greifvögeln (Schwarzmilan, Schlangenadler, Sperber, Uhu), Schwarzstorch und anderen typischen Waldvogelarten (Ringeltaube, Eichelhäher, Zaunkönig, Kleiber, Gartenbaumläufer, Orpheusspötter) zum Brüten genutzt. An den zahlreichen Stellen, an denen Felsen an den Seitenhängen zu Tage treten, können wir auch Blaumerlen, Trauersteinschmätzer und Zippammern vorfinden.
In den Flussbetten sei die Anwesenheit von Vögeln hervorzuheben , die in Brücken nisten, wie beispielsweise Felsen- (leicht an der Brücke über den Fluss Río Tamujazu sehen), Rötel- und Mehlschwalben. In den sandigen und kiesigen Uferbereichen fehlt es auch nicht an Flussregenpfeifern, Waldwasser-, Flussuferläufern, Bach- und Gebirgsstelzen, die das Flussbett intensiv erkunden.
Am Ende der Route gelangen wir in den Ort Trujillo, der eine der wenigen Ortschaften ist, die zur ZEPA (Zona de Especial Protección para las Aves, Besonderen Vogelschutzzone) erklärt worden ist, aufgrund der bedeutenden Kolonien von Rötelfalken. Bei einem Streifzug durch die Straßen der Altstadt können wir von diesen Vögeln zahlreiche Individuen sehen, wie sie vorbeifliegen und ihre charakteristischen Rufe ausstoßen oder auch die Brutkolonien besichtigen, die sich auf dem Hauptplatz Plaza Mayor, am Kloster Conventual de San Francisco, dem Parador de Turismo, der Straße calle Encarnación und dem Palast Albaida, Palast Luís Chaves und der Stierkampfarena (außerhalb der Ortschaft gelegen, mit der größten Kolonie) befinden. Wir können auch viele Weißstorchpaare bewundern, die ihre Nester auf den Dächern und Glockentürmen der historischen Gebäude bauen, und so mittlerweile ein Wahrzeichen von Trujillo geworden sind. Ebenfalls besondere Erwähnung verdient die Brutkolonie der Fahlsegler, die ihren Lebensraum mit den Mauerseglern teilen.
Phänologie
er Frühling ist die Jahreszeit, die sich am besten für diese Route eignet, denn die Zusammensetzung der Vogelwelt in diesen Gebieten weist viele Sommervögel auf. Im Winter, wenn die überwinternden Arten ankommen, ist die Gegend ebenfals von ornithologischem Interesse. Die Schönheit der Steppenlandschaft und ihr starker Kontrast zu den Uferbereichen machen diese Route zu jeder Jahreszeit empfehlenswert, selbst im Sommer (wenn man die Mittagsstunden meidet).
Der wenige Verkehr auf diesen Landstraßen erlaubt uns, langsam fahren zu können, sodass wir die Vögel leichter entdecken können.
Wir sollten vermeiden, uns zu lange in den Bereichen der Brutkolonien aufzuhalten (Wiesenweihe, Weißstorch, Rötelfalke, Kuhreiher), wobei empfohlen wird, einen Sicherheitsabstand einzuhalten, um die Vögel nicht zu stören. ![]()